Liebe Knüllerleser!
Wie im letzten Blatt angekündigt, veröffentlichen wir eure Leserbriefe zum Thema Grundeinkommen hier in voller Länge. Wenn ihr Lust habt euch an der Diskussion zu beteiligen, schreibt einfach einen Kommentar.
Bedingungsloses Grundeinkommen – um was geht's?
Es war nicht groß in der Öffentlichkeit und nur wenige haben es mitbekommen. Bis zum 17.Februar konnte man per e-mail auf der Petitionsseite des Bundestage seine Stimme für das bedingungslose Grundeinkommen abgeben. Hauptpetent und Initiatorin ist Susanne Wiest. Der Originaltext lautet folgendermaßen :
Der deutsche Bundestag möge beschließen ...
das bedingungslose Grundeinkommen einzuführen.
Begründung
Unser Finanz- und Steuersystem ist sehr unübersichtlich geworden. Auch die Arbeitslosenquote scheint eine feste Größe geworden sein. Um nun allen Bürgern ein würdevolles Leben zu gewährleisten, erscheint mir die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens als guter Lösungsweg. Ca. 1500€ für jeden Erwachsenen und 1000€ für jedes Kind.
Alle bestehenden Transferleistungen, Subventionen und Steuern einstellen und als einzige(!) Steuer eine hohe Konsumsteuer einführen. Eine deutliche Vereinfachung unseres komplizierten Finanzsystems erscheint mir zwingend erforderlich. Auch ginge mit dieser Veränderung ein deutlicher Bürokratieabbau, und damit eine Verwaltungskostenreduzierung, einher.
Wie ein Lauffeuer verbreitete es sich per e-mail, sich doch einzuloggen und seine Stimme dafür abzugeben. Die Mitzeichnungsfrist mußte 2mal verlängert werden, weil der Massenansturm auf die Seite diese zum erlahmen brachte und nichts mehr ging. 50.000 Stimmen waren notwendig, damit die Petion überhaupt erstmal im Bundestag diskutiert werden würde. In der Nacht vom 16. auf dem 17.Februar waren es noch 47.000 – ein Run gegen die Zeit – doch wie ein Wunder gab es schlußendlich sogar mehr als erforderlich, alles in allem 52.973 Stimmen. Eine erstaunlich Anzahl, wenn man sich die anderen Petiotionen anschaut, die nur ein paar magere Hundert oder als Maximum 10.000 erreicht haben. Da muß jemand den ja sonst so faulen Wahl- Deutschen nochmal ordentlich eingeheizt haben.
Erstaunlich auch deswegen, weil keine Partei und auch keinerlei Medien diese Petition vorher publik gemacht oder beworben haben. Selbst attac Deutschland und die AG “genug für alle” haben die Petition nicht unterstützt, da nach ihrer Einschätzung keine Mehrheit dafür vorliege. Doch – in Anlehnung an “reality bites” - ist es ganz anders gekommen, als man es sich vorstellen konnte. Selbstsam erscheint auch, dass sich bisher noch keine Partei zu einer der zum ersten Mal erfolgreich gewordenen Petition zu äußern vermag und man die unscheinbare Tagesmutter aus Greifswald bisher nicht sehr ernst genommen hat.
Mit der Gründung eines Petitionsausschußes sollen jetzt alle Ministerien Stellungnahmen dazu abgeben und das Ganze darf jetzt öffentlich diskutiert werden. Auch wenn manche die Forderungen der Petition für zu unrealistisch und illusorisch halten, darf man auf eine öffentliche Debatte gespannt sein und ein Grundstein zum Nachdenken ist erstmal angelegt.
Wie denkt ihr Knüller-Leser darüber? Mich interessiert vor allem auch erstmal die rein utopische Frage, auch wenn es vielleicht nie so eintreten wird (Träumen ist erlaubt und auch notwendig):
Was würdet ihr überhaupt arbeiten/machen,
wenn für euer Grundeinkommen gesorgt wäre?!!
Würdet ihr mit dem bedingungslosen Grundeinkommen wirklich jahrzehntelang zu Hause auf der faulen Haut liegen, nur noch Biertrinken, Fernsehschauen, Dauer-Kiffen, nach Malle ziehen und sinnlos im Internet rumsurfen – oder würdet ihr endlich anfangen, Gedichte zu schreiben, Musik zu machen, zu stricken, euch langersehnte Wünsche erfüllen, einen Bauwagen kaufen und durch die Lande ziehen, nachhaltiger leben, einen Bio-Garten anlegen, eine eigene Zeitung machen, oder endlich mal einen Leserbrief an den Knüller schreiben....?
Bitte schickt eure Vorstellungen, Ideen, Wünsche aber auch Argumente dafür und dagegen an die Redaktion des Knüllers: derknueller@web.de Wir werden diese völlig anonym und ohne Zensur in der nächsten Ausgabe veröffentlichen und sind ganz
gespannt darauf, was euch so einfällt.
Hallo Knüller & Team,
euer Beitrag über das Bedingungslose Grundeinkommen im März-2009-Knüller ist sehr interessant gewesen.
Also ich denke ALG II bzw. wie es oft genannt wird Hartz IV ist ja schon eine Vorstufe Grundeinkommen, eben nur nicht bedingungslos. Prinzipiell könnte es finanziert werden, das wurde in diversen Studien schon nachgewiesen. Auch würde es neue Motivationen mit sich bringen. Ich denke, in Deutschland arbeiten viele Menschen sehr viel, doch durch die Überlastung nur auf halber Flamme. Der Rest sind hausgemachte
Probleme und Problemchen, ausgelöst durch eigene Unzufriedenheit, Neid, Orientierungslosigkeit, Besitzstandswahrung und verstärkt durch Lobbyismus und die immense Bürokratie.
Politisch gesehen wird es wohl kaum eine Entscheidung geben. Die SPD wehrt sich offenbar ganz gegen das Thema, vielleicht wegen ihres doch irgendwie protestantischen Hintergrundes, ihrer Nähe zu den
Gewerkschaften und weil sie wohl doch noch irgendwie glaubt, die Arbeiterschaft zu vertreten. Die CDU befürwortet wohl eher ein kontrolliertes, doch kein bedingungsloses Grundeinkommen ... irgendwie müssen ja die Interessen der Industrie und vorher der Banken noch befriedigt werden.
Die LINKE will ein bedingungsloses Grundeinkommen und stellt gleichzeitig auch Begdingungen - Kündigungsschutz und Mindestlohn ... was im Endeffekt eher eine Satire der Idee sein könnte, auch wenn's durchaus ernst gemeint ist.
Prinzipiell sehe ich die Grünen eventuell noch am nähesten an dieser Idee, vielleicht noch die FDP, da es einem eher freiheitlichen Denken entspricht. Doch die politische Macht dieser beiden Parteien ist eher beschränkt, vielleicht noch.
Ich glaube dennoch, dass der Weg in die Zukunft nicht an einem Grundeinkommen vorbeigeht. Zudem vermute ich, dass sich die Idee im Bereich der Hartz-IV-er entwickeln wird. Dort werden viele Menschen ihren eigenen Weg finden, um sich die Bedingungen der ARGE etc. so wenig störend wie möglich zu gestalten.
Offiziell politisch wird das Grundeinkommen wohl erst eingeführt werden, wenn es sich ein Großteil der deutschen Bevölkerung schon selbst geschaffen hat. Am wichtigsten ist m.E. der Gedanke, dass man lernt, fürs Leben zu arbeiten und nicht primär für die Arbeit zu leben. Umso mehr Menschen sich ihre eigenen Freiräume schaffen, desto mehr leben sie bereits die Idee des Grundeinkommens.
Grüße, Paul Martin Schmidt
durchmember
Arbeiten??? Bei umsonst 1500,- Öken im Monat!!!!! Die ersten paar monate würde wahrscheinlich keine Sau mehr arbeiten, die Grosstädte sähen aus wie Neapel und das einzige was noch funktionieren würde wärs Internet und Linuxdistributionen,die Hälfte aller Gettobewohner würden sich ins Koma ruppen und alles was es zu kaufen gäb (wo überhaupt welcher Einzelhandelkaufmann verdient 1500,-Öken) wär ausm Chinesichen Gulag,nee Mann muss das jetz nich weiter ausführen aber ich persöhnlich finde die Idee echt geil,Chaos iss mir lieber als eine Ordnung ohne Sinn halt,aber Chaos wird das auf jeden yeahh.
P.S. Musik mach ich schon Gedichte schreib ich auch,aus detr Gartensparte bin ich rausgeflogen,wenn jemand was gwstrickt ham will sollers Maul aufmachen und überhaupt das meiste was man als Hoby macht wird sowieso nur in Sparten gewürdigt und interressiert sonst keine Sau.Ausserdem interressiert mich dann echt Skrulls Kampfausrüstung naja überhaupt das Konsumverhalten aller nichtdruffis (1500-Öcken versaufen geht glaub ich schon im ersten Monat schief ausser man nimmt Chatau oder son Scheiss).
Naja Checkung,prügel mich mit drum auf jeden
P.S.Bewerbung auch ein ganz schöner Kult
Es gibt keinen Grund, für das Grundeinkommen!
Es gibt so viele „neue“ Ideen, um die Zukunft der Menschen zu einer besseren zu reformieren. Begriffe wie „Grundeinkommen“, gar noch „bedingungslos“, machen die Runde. Das „bedingungslose Grundeinkommen (BGE)“ soll „ein beachtenswertes Konzept vom Gründer der Drogeriemarktkette dm Götz Werner“ sein. (Quelle: www.unternimm-die-zukunft.de) Der Herr Professor wurde im „Handelsblatt“ hochgelobt und regelrecht gefeiert. Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich das BGE nur als erzreaktionär. Viele Formulierungen klingen sehr wohlwollend und humanistisch, dahinter verbirgt sich aber der alte Geist des Wirtschaftsliberalismus. Da heißt es: „Ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger von der Wiege bis zur Bahre wird ohne Bedürftigkeitsprüfung jedem Bürger gewährt, … Jeder Bürger erhält dieses Grundeinkommen unabhängig davon, ob er darüber hinaus noch ein Erwerbseinkommen oder sonstige Einkommen z.B. aus Kapitalvermögen, Immobilienbesitz, Erbvermögen usw. bezieht.“ Das bedeutet, dass es nicht nur vom Kind bis zum/r GreisIn gewährt wird, sondern den MultimillionärInnen ebenso wie den Sozialhilfeabhängigen! Für die Bedingungslosigkeit werden die armen Arbeitslosen/Sozialhilfeabhängigen lediglich nur in den Vordergrund gedrückt, um aufzuzeigen, wie schlimm doch der seit Jahrzehnten praktizierte Arbeitszwang sich auf diese „Bürger“ auswirkt. Viele im Grunde genommenen richtigen Beschreibungen, denen Wir durchaus zustimmen müssen, aber nur weil die Realität in der staatlichen Armuts- und Almosenverwaltung so ist. Bei dem Herrn Professor Werner mutieren die Sozialhilfeabhängigen lediglich zu Grundeinkommensabhängigen.
Die Illusion der Vollbeschäftigung unter den heutigen Wirtschafts- und Technologiebedingungen wird nicht nur er- sondern auch anerkannt. Bei der heutigen Automatisierung und der noch bevorstehenden, ist diese mehr als nur absurd. Daraus folgt logischer Weise, dass die Koppelung der Erwerbsarbeit an ein Lohnsystem eigentlich nicht mehr länger aufrechterhalten werden kann. Die reale Arbeit verschwindet immer schneller, trotz zurückhaltender Automatisierungsprozesse.
Die bis heute von den Parteien aufrechterhaltene Arbeitsmoral – „Sozial ist, was Arbeit schafft“ (CDU/CSU), „Arbeit muss sich wieder lohnen“ (FDP), „Arbeitsplätze sind für uns, die schönsten Plätze Deutschlands“ (SPD), „Brüder, durch Sonne zur Arbeit“ (Die Grünen) und „Arbeit soll das Land regieren“ (PDS) – wird Uns in der Zukunft so lächerlich vorkommen, wie die Sexualmoral des 19. Jahrhunderts heute schon.
Lassen Wir Uns aber nicht von einem „humanen Unternehmer“ vom Schlage des Herrn Götz Werner mit seinem „bedingungslosen Grundeinkommen (BGE)“ die Sicht vernebeln. Inzwischen rennen ihm zahllose Jünger/innen aus den Reihen von verdi, WASG, Attac, SPD etc. hinterher, obwohl die absolute Grundbedingung für das „bedingungslosen Grundeinkommen (BGE)“ die deutsche Staatsbürgerschaft ist!!! Im O-Ton kling das dann so: „Hier plädieren wir für eine klare Regelung: Das Grundeinkommen sollten nur Bürger, d.h. Staatsbürger, unserer Gemeinschaft erhalten. Für diejenigen, die in unserem Land leben, aber die Staatsbürgerschaft nicht annehmen, könnten wir ein reduziertes Grundeinkommen einführen. Es ist unerlässlich zwischen den Bürgern und den Nicht-Bürgern zu unterscheiden.“ Und weiter heißt es: „Wer nicht Bürger ist, ist von all diesen Verpflichtungen frei, er trägt nicht die politische Ordnung, sondern fügt sich ihr nur. Es ist nicht Quelle der Entstehung des Rechts, sondern muss nur das Recht respektieren.“ Darüber hinaus heißt es: „Steuern zu zahlen, ist nicht Ausdruck einer Identifizierung mit unserer Gemeinschaft; auch Unternehmen zahlen Steuern und tragen dennoch nicht unsere politische Ordnung.“ Klar ist dabei nur, dass die Unternehmen diese politische Ordnung nicht tragen, sprich sich nicht identifizieren und fügen, sondern sich schlichtweg darüber hinwegsetzen.
Besonders verführerisch klingen folgende Worte des Herrn Prof. Werner: „Je höher das bedingungslose Grundeinkommen ist, desto mehr fördert es die Freiheit, Verantwortung im Gemeinwesen zu übernehmen, ohne sich um das eigene Auskommen sorgen zu müssen – es sollte deswegen so hoch als möglich sein. … Es gibt keine Bürger zweiter Klasse.“ An dieser Stelle möge sich jede/r selber mal vorstellen, wie glaubwürdig dieselbe Formulierung klingen würde, wenn es hieße, die bisherige Sozialhilfe solle so hoch als möglich sein. Unglaubwürdiger könnte es aus einem Unternehmermunde wohl kaum klingen.
Dies wird auch besonders deutlich bei dem Finanzierungskonzept des Herrn Prof. Unternehmer. Die rein rhetorische Frage: „Wer soll das BGE bezahlen angesichts der leeren Kassen und der vermeintlich notwendigen Sparmaßnahmen?“ beantwortet er zunächst lapidar: „Hellseherische Fähigkeiten besitzen wir nicht.“ (Na ja, vielleicht sollte er mal jemanden konsultieren, der diese Fähigkeiten besitzt.) Um dann einen simplen Trick anzuwenden, in dem er erklärt: „Das BGE ersetzt alle anderen Transferleistungen (Sozialhilfe, Arbeitslosengeld, Kindergeld, Bafög etc.), Rentenansprüche werden verrechnet. Arbeitslosengeld wird durch eine Abfindungsleistung oder ähnliches ersetzt, die Arbeitnehmer und Arbeitsgeber miteinander aushandeln. Man kann darüber nachdenken, z.B. regionale Unterschiede der Lebenshaltungskosten durch Zuschüsse (Ortszuschläge o.ä.) auszugleichen.“ Dies bedeutet also, weiterhin einen regionalen Unterschied zwischen den West- und Ostdeutschen, obwohl es ja keine „Bürger zweiter Klasse“ geben soll. Des weiteren wird die Rentenkasse endgültig geplündert, was besonders relevant werden würde, wenn das BGE im nachhinein doch scheitert, es gäbe dann kein zurück mehr. Unerklärlich bleibt jedoch, wie das BGE „so hoch als möglich sein“ soll, bei derselben Grundlage wie vorher.
Hinzukommt dann die „Steuerreform“ des Prof. Werner, die zunächst die Einkommensbesteuerung völlig abschaffen will und durch eine Konsumsteuer ersetzt werden soll. Das liest sich dann so: „Ein bedingungslosen Grundeinkommen sollte mit der Umgestaltung unseres Steuerwesens und auch der Besteuerungsprinzipien einhergehen. Vergleichbar radikal und einfach wie das BGE in all seinen Momenten ist der Vorschlag von Götz Werner und Benediktus Hardorp, von der Ertragsbesteuerung (Einkommen und Gewinne) vollständig Abschied zu nehmen. Sie plädieren für die Umstellung auf eine Verbrauchssteuer (Konsumsteuer), die im Inland erhoben würde. Nicht der nominale Geldbesitz würde dabei besteuert, sondern seine Nutzung. Denn für unser Gemeinwesen ist nicht entscheidend, dass ein Bürger erhebliche Geldwerte besitzt, entscheidend ist, wozu er sie einsetzt.“ Also absolute Steuerfreiheit für die kapitalistischen Maximal-Profite! Dafür sollen wir als EndverbraucherInnen auch noch die gesamte Steuerlast tragen, mit der dann das BGE finanziert werden muss, um die Unternehmen darüber hinaus, die weitere Entlastung durch die Abschaffung der Sozialversicherungskosten (Lohnnebenkosten) zu ermöglichen. Dreister geht es wohl kaum noch.
Aber nicht nur die Arbeitslosen- und Rentenversicherung soll fallen, sondern auch die Krankenkassenversicherung. Da heißt es bei Prof. Werner dann: „In Vor-Krankenkassenzeiten war es durchaus üblich, dass das Honorar des Arztes sich nach Besitzverhältnissen des Patienten gerichtet hat, eine Art direktes Solidarsystem ohne Einschaltung einer Verteilungsinstanz wie die Krankenkassen. Eine solche Form des Ausgleichs, den die Profession der Ärzte selbst regelte, wäre ebenso denkbar wie eine Fond-Regelung.“ Also vorwärts ins 19. Jahrhundert, unglaublich aber wahr, der Mann meint das ernst. Wie die gesundheitliche Versorgung in der Vor-Krankenkassenzeit war, müsste eigentlich selbst den reaktionärsten SozialdemokratInnen und DGB-GewerkschafterInnen, die diesem ökonomischen Guru hinterher rennen, erinnerlich sein.
Darüber hinaus will Uns Herr Prof. Werner suggerieren, dass ArbeitnehmerInnen in gleicher Augenhöhe mit den ArbeitgeberInnen über die Löhne verhandeln könnten, nur weil diese ja durch das BGE nicht genötigt wären, schlechtbezahlte Arbeitsstellen anzunehmen. Deutlich soll dies bei „unbeliebten Arbeiten“ werden: „Wie heute schon (???) gibt es auch unter BGE-Bedingungen keinen Zwang, einen bestimmten Beruf zu ergreifen (er vergisst wohl die 1-€-JobberInnen). Das BGE erst lässt einen wirklichen Arbeitsmarkt entstehen, auf dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen souverän sind in der Aushandlung der Arbeits- und Entlohnungsbedingungen. Unbeliebte Tätigkeiten müssen entweder höher entlohnt werden als heute, um sie interessant zu machen, oder wir müssen sie wieder in die eigenen Hände nehmen. Auch hier werden die Automatisierungsmöglichkeiten manche Frage beantworten, schaut man sich die heutige Müllabfuhr und die Supermärkte an.“ Diese Arbeiten werden dann wohl von den „Nicht-Bürgern“ geleistet werden, da sie ja ein niedriges Grundeinkommen haben. Natürlich werden die (kapita)listigen UnternehmerInnen auch unter den BGE-Bedingungen, nach dem die Löhne von den Nebenkosten befreit wurden, versuchen die Löhne zu drücken. Besonders dann, wenn die „Bürger“ schon eine Grundversorgung genießen, werden sie darauf drängen, dass diese dann mit erheblich niedrigeren Löhnen zufrieden sein müssen. Da kann sich der Professor auf den Kopf stellen wie er mag, es wird nichts nützen.
Erstaunlicherweise gesteht Prof. Werner seinen „deutschen Staatsbürgern“ tatsächlich zu, dass sie über Generationen alle Reichtümer geschaffen haben, und sich somit das „bedingungslosen Grundeinkommen“ redlich verdient hätten. Bei ihm lautet es dann so: „Der Wohlstand unseres Landes ist der Wohlstand aller Bürger. Er geht auf die Leistungen aller Bürger zurück, auch auf die Leistungen vorangehender Generationen. Deshalb gebietet es die Gerechtigkeit, alle Bürger an diesem Wohlstand zu beteiligen.“ Und weiter heißt es: „Ein bedingungsloses Grundeinkommen lässt sich als eine Art Wertschöpfung betrachten. Die wirtschaftliche Wertschöpfung erfolgt ja auf der Grundlage der Leistung vorangehender Generationen, insbesondere auf der Basis der von der Allgemeinheit erzeugten Kulturleistungen und über technologischen Wissens. Weil diese Grundlage durch das Leben und die Arbeit vieler Generationen hervorgebracht wurde, ist sie Eigentum aller. Jeder Bürger unseres Gemeinwesens kann sich gleichermaßen als Erbe dieser Leistung begreifen.“
Auf diese Wertschöpfungsalmosen des Professors können Wir gerne verzichten. Alle arbeitenden Menschen sind die legitimen Erben der Produktionsmittel, und dieses Erbe ist erst dann vollstreckt, wenn sich die Produktionsmittel endlich in den Händen der ArbeiterInnenklasse befinden. Die kapitalistigen ErbschleicherInnen müssen durch eine weltweite soziale Revolution enteignet werden. Es sind nur Scheinkämpfe, die die Konzerne um die Standorte der Produktionsmittel führen, denn damit bleiben Unsere Produktionsmittel weiterhin in den Klauen der kapitalistischen Klasse. Ebenso wenig lassen Wir Uns keinen Sandmännchensand in die Augen streuen, wenn die IG Metall mit ihren Siemensbetriebsräten einen Dialog mit SIEMENS über dessen Strategie des Konzerns suchen will, um die Standortverlagerungen von Deutschland in Billiglohnländer wie Indien zu verhindern, indem sie sich mit den KollegInnen in Indien solidarisch erklären, damit die Verlagerung von Indien nach dem noch billigeren China gestoppt wird und die Lohnspirale nicht noch weiter nach unten sinkt, und somit den Kreis schließt und hierzulande wiederum die letzten Arbeitsplätze auflöst. Sie fordert „bessere Bedingungen für alle Siemensbeschäftigten weltweit“, also auf denselben Standortunterschieden basierend; nur keine gleichen! Das verkauft die IGN als Internationale Solidarität, und lässt dies in dem Satz gipfeln: „Siemens als der beste Arbeitsgeber im jeweiligen Land.“ Da kommt eben der Standorthochmut vor dem Fall, denn: Wer sich die besten AusbeuterInnen im jeweiligen Staat wünscht, wird diese auch bekommen. Mit solchen Illusionen können Unser Produktionsmittel noch nicht einmal „verteidigt“ werden, geschweige denn angeeignet, damit sie endlich in die Hände gelangen, die sie seit Generationen entwickelt und hergestellt haben: Die ArbeiterInnenklasse. Unsere Köpfe und Hände haben den gesamten Reichtum geschaffen, und nur Unsere Köpfe und Hände können diesen auch gerecht an alle Menschen verteilen. Der Kampf um Unsere Produktionsmittel wird nur mit einem Erfolg der ArbeitInnenklasse entscheiden sein. Nur durch eine weltweite soziale Revolution kann eine herrschaftsfreie Gesellschaft entstehen. Mit den Mitteln einer radikalen & sozialen Arbeitszeitverkürzung & eines Freien Konsum kann für eine gerechte Verteilung von notwendiger Arbeit und hochwertigen Konsumartikel Sorge getragen werden. (www.5-stunden-woche.de). Denn es gibt keinen Grund für das Einkommen in einer freien Gesellschaft. Jede Einkommensform ist nur dann notwendig, wenn es eine ausbeutende Klasse gibt. In einer klassenlose Gesellschaft gibt es keine Einkommensabhängigkeit mehr. Jede/r nach seinen/ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen.
ALLES FÜR ALLE UND ZWAR UMSONST
tebe von der FAU
Antwort auf den Beitrag von „Tebe von der FAU“ (Knüller 4/2009)
Endlich mal ein revolutionärer Beitrag, Tebe. Danke. Das vermisst man ja in letzter Zeit etwas. Also, volle Zustimmung zu deinem letzten Satz „Jede/r nach seinen/ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen“, obwohl es korrekterweise „ihren/seinen“ heißen müsste, da „Jede“ vor „Jeder“ steht :) … und sowieso kann man ruhig ab und an mal „Ladies first“, du weißt ja, was ich meine … Hmm, doch wahrscheinlich ist eine gewisse Zuvorkommendheit eine Erfindung der Bourgeoisie, genau wie die Freiheit oder das Glück. Das gibt es eigentlich alles gar nicht. Das müssen Wir wegkämpfen – radikal und sozial wegkämpfen.
Nun, ich weiß ja nicht, ob die FAU die „Freie Arbeiter und Arbeiterinnen Union“ (warum die Frauen immer an zweiter Stelle ? :)) ist, die sich laut Homepage als „eine anarcho-syndikalistische Gewerkschaftsföderation, die aus lokalen Syndikaten und Gruppen besteht“ (’ne anarchistische Gewerkschafts-Mafia ? :)) darstellt. Falls du, TEBE da Mitglied bist, hätte ich einige praktische Vorschläge für die von dir angedachte „weltweite soziale Revolution“.
1. Du erklärst halb Deutschland mit Blick auf die globalen Verhältnisse, dass die Behauptung, dass Frauen weniger verdienen nicht wirklich stimmt, sondern Männer zuviel.
2. Du erklärst ganz Deutschland, dass ein Einkommen zum Leben nicht notwendig ist, sondern eigentlich alle auch so sich das nehmen können, was sie brauchen. Sie sollen es einfach tun.
3. Wenn du bzw. die FAU das geschafft haben, könnt ihr mich anrufen (0351-8107099) und wir machen Revolution. Doch dieses Mal mit Autos, nicht mehr mit dem Zug. Schon Lenin soll mal gesagt haben: "Wenn die Deutschen bei ihrer Revolution einen Bahnhof besetzen wollen, dann kaufen sie sich vorher eine Bahnsteigkarte." Das geht erstens nicht ohne Einkommen bzw. Geld und zweitens dauert’s zu lange. Deshalb also Autos – für alle und zwar kostenlos. Damit erscheint die Abwrackprämie der Bevölkerung plötzlich nicht mehr als Schnäppchen, sondern richtig teuer.
Also Autos, stell das bitte schon mal zur FAU-Zentrale durch … Am besten mit Dacias, Che-TEBE. Du weißt ja: „it’s time for another revolution“ … oder Autos mit FAU-Motor … Jedenfalls muss sich die Revolution selbst revolutionieren, ganz gleich wie und durch wen. Schlimmstenfalls muss es eben die Revolution alleine machen. Warum wollte sie auch Revolution werden?
In diesem Sinne, dir und der FAU viel Erfolg bei den Punkten 1. und 2. und meldet euch danach zur Revolution. Früh sechs Uhr geht’s los … ich stell mir schon mal den Wecker.
Alles Gute, Micha.
Liebes Knüller-Team,
schön, dass ihr die Grundeinkommens-Diskussion fortsetzen wollt und ich würde mich freuen, wenn wieder ein paar Zeilen Platz für diese Mischung aus Leserbrief und Antwort auf Leserbeitrag vorhanden wären. Der Beitrag von Tebe von der Fau (wahrscheinlich eine verschlüsselte Abkürzung für "Toni Boslhammer von der Voralm" :)) war mit 2 1/2 der längste und zudem der einzig nicht kommentierte. Prinzipiell ist das kein Problem, doch ich würde gern ein paar Anmerkungen machen.
Herr oder Frau Tebe von der Fau (im Folgenden mit "T.B. v.d. V." abgekürzt) schreibt gut, doch hat ein Problem: er oder sie hat die Idee eines Grundeinkommens (noch?) nicht verstanden. Warum?
Der Beitrag selbst ist "erzreaktionär" (was er/sie der Idee des BGE unterstellt), denn er ist im Duktus des "Ihr da oben, wir hier unten" geschrieben. Um's kurz zu machen: wer so denkt, braucht wirklich kein Grundeinkommen, sondern kann sich gern in die "ArbeiterInnenklasse" begeben oder dort bleiben, denn er lebt geistig noch 30-150 Jahre zurück. T.B. v.d. V. nimmt auch gleich noch die halbe ArbeiterInnen-Welt mit, wenn er in der "Wir"-Form schreibt. Es sind auch nicht "Unsere Produktionsmittel", denn wieviel Stunden hast du denn z.B. für den Bus gearbeitet, der dich ab und an von A nach B bringt?
Ein Grundeinkommen setzt vor allen Dingen eines voraus: den Wunsch nach gelebter Individualität. Und da ist ein gesunder Egoismus durchaus notwendig und keine scheinheiligen Versprechnngen auf eine "klassenlose Gesellschaft". Nach meinen Erfahrungen wird die Klassengesellschaft dort am stärksten gelebt, wo sie scheinbar am stärksten kritisiert wird. Der Klassenkampf lässt nicht selten das Zwischenmenschliche als sekundär erscheinen und somit entsteht eine ziemlich schräge Mischung aus schönen theoretischen Worten und nahezu entgegengesetzter gelebter Realität.
Der Knackpunkt liegt in einer recht simplen Sache. "Das Sein bestimmt das Bewusstsein", heißt es häufig im Klassenk(r)ampf-Jargon - war glaube ich von Marx (?). Was prinzipiell stimmt, doch vorher bestimmt das Bewusstsein das Sein. So wie ich mich sehe, lebe ich. Wer sich selbst ausschließlich als "Unterschicht" oder "Arbeiterklasse" oder oder sieht, der ist es eben auch. Da wird sich jedoch auch nichts verändern. Letztlich - und man möge mir die vielleicht etwas harten Worte verzeihen - zeichnet sich durch diese Denke der nette Spießbürger aus, der inzwischen auch intellektuell ein bisschen mit den Worten der sog. Oberschicht umgehen kann.
Alles in allem sind meine Erfahrungen auch jene, dass Frauen sich eher der Idee des Grundeinkommens widmen können. Der Streit und das Abwiegeln der Idee - und dabei meine ich nur die BGE-Idee, nicht die diversen Modelle - ist größtenteils ein Problem der Männer. Es geht schlicht und ergreifend um die Angst des Machtverlustes. Einfach der Gedanke, dass jede Frau finanziell wirklich unabhängig sein könnte und dann auch so lebt, lässt doch 90-95% der Männer innerlich zusammenzucken. Nach außen hin, kommen dann die intellektualisierten (Gegen-)Argumente zum Vorschein, wobei da die Partei oder die Ideologie eigentlich keine große Rolle mehr spielt.
Alles in allem geht die Zukunft nicht an einem Grundeinkommen vorbei, doch auf die Parteien braucht keine/r warten, denn Parteien sind Männersache. Schon immer gewesen und daran wird sich in der Struktur auch wenig ändern.
Ansonsten wünsche ich allen Knüller-Leser genügend geistige Freiheit in der Frühlingszeit und T.B. v.d. V. viel Freude mit "Unseren Produktionsmitteln" :)
Paul Martin Schmidt